Am 27. Januar 2026 lädt die Stadt Freiburg zum jährlichen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in den Kaisersaal des Historischen Kaufhauses ein. Dieses Jahr liegt der Fokus auf einem lange Zeit unsichtbaren Schicksal: frauenliebende Frauen. Zwischen Anpassungsdruck und Verfolgung beleuchtet die Veranstaltung die Lebensrealitäten dieser Frauen während der NS-Diktatur.
Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Martin Horn erwartet die Teilnehmenden ein Abend voller historischer Einblicke und mahnender Erinnerung. Der Eintritt ist frei, der Einlass beginnt um 19:00 Uhr. Anmeldung erforderlich.
- Termin: Dienstag, 27.01.2026, 19:30 Uhr
- Anmeldung: Link-Freischaltung ab dem 12. Januar
Ressourcen
- Die (Un-)Sichtbarkeit Frauenliebender Frauen
der-liebe-wegen.org - Repression gegen lesbische Frauen
lsbttiq-bw.de - Die verkannte Verfolgung lesbischer Frauen im Dritten Reich
SWR · 2024 - Lesbisches Leben in Weimarer Republik und NS-Zeit
DLF Nova · 2024 - Lesbische Frauen unter dem NS-Regime
Holocaust-Enzyklopädie · 2024
Audioguide
“Queere Geschichte*n Freiburg” ist ein kostenloser Audioguide, der an 27 Stationen in Freiburg historische und aktuelle Geschichten über Personen, Themen und Ereignisse erzählt. Er beleuchtet sowohl Themen wie die NS-Verfolgung und Sodomiten-Prozesse als auch Geschichten über Partys oder die Suche nach der Liebe. Der Audioguide vermischt dabei Gedenken, Erinnern, Wissensvermittlung und Unterhaltung.
Ausgewählte Stationen zum Thema:
Historisches Kaufhaus, Münsterplatz 24
Käthe Seifried (1904-1991) wird im NS als Kommunistin verfolgt. Nach dem Krieg lebt sie mit ihrer Lebensgefährtin Sophie Gerstmeier in Freiburg und zieht mit ihr ein Kind groß, dass ihnen jedoch weggenommen wird, weil sie es ohne ein Ehepaar zu sein nicht adoptieren dürfen. Lesbischen Eltern wird bis in die 90er Jahre tausendfach das Sorgerecht entzogen, auch heute noch sind sie rechtlich benachteiligt.
Nachkriegszeit, Nationalsozialismus, frauenbezogen, Regenbogenfamilie
Hanni Rocco (1896-1990) und Maria ‚Bobi’ Proelss (1890-1962), zwei Künstlerinnen und Musikerinnen, führen gemeinsam ein bewegtes Leben zwischen der Bohème in Europas Großstädten, der Künstlerkolonie Höri am Bodensee – und Freiburg, wo sie nach dem Krieg gemeinsam in der Salzstraße wohnen. Die NS-Zeit überleben sie nur mit Glück – insbesondere Bobi, die jüdische Wurzeln hat.
Widerstand im NS, jüdisch, Künstler*innen, NS-Verfolgung, frauenbezogen, bisexuell, Weimarer Republik, Nachkriegszeit, 70er bis 90er
Charlotte Wolff (1897-1986) ist eine jüdische frauenliebende Sexualwissenschaftlerin, die in den 1920er Jahren zeitweise in Freiburg studiert. In der Kleinstadt gibt es damals aber wenig queere Kultur. Später forscht sie im Londoner Exil zu Lesbianismus und Bisexualität. In Haslach ist heute eine Straße nach ihr benannt.
Weimarer Republik, lesbisch, bisexuell, jüdisch, Wissenschaft, Uni Freiburg, NS-Verfolgung, Crossdressing
1928 eröffnet Dr. Maria Plum (1894-1962) die erste weiblich geführte Anwaltskanzlei in Freiburg, die schnell sehr erfolgreich wird. Sie führt die Kanzlei mithilfe ihrer Bürovorsteherin und Lebensgefährtin Marie Luise Goppel, mit der sie auch zusammenwohnt. Im NS tritt sie in den beruflichen Widerstand und versucht die Auswirkungen der NS-Politik auf Frauen und Juden*Jüdinnen in ihrem Umfeld abzumildern.
Widerstand im NS, frauenbezogen, Nationalsozialismus, Nachkriegszeit, Weimarer Republik, Feminismus
