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Die jüngste Tochter · Friedrichsbau · Freiburg
Wed 28.01. – Wed 18.02.
Die französische Schauspielerin und Regisseurin Hafsia Herzia erzählt von einer jungen Muslima, die in einem Pariser Banlieue aufwächst und langsam akzeptiert, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Was das bemerkenswerte Coming-of-Age-Drama unbedingt sehenswert macht, ist die Entscheidung, die Hauptfigur nicht mit äußeren, sondern vor allem mit ihren inneren Hindernissen zu konfrontieren. Gelungene Adaption des gefeierten autofiktionalen Debütromans von Fatima Daas, von emotionaler und wahrhaftiger Wucht.
Die 17-jährige Fatima (Nadia Melliti) ist die jüngste von drei Töchtern einer französisch-algerischen Familie in einem Pariser Vorort. Ihr Lieblingssport ist Fußball, in der Schule hängt sie mit den prahlerischsten Jungs ihrer Klasse ab, und sie hat einen heimlichen festen Freund, der bereits ans Heiraten denkt. Fatima fällt es jedoch zunehmend schwerer zu verbergen, was niemand wissen darf: Ihr Herz schlägt für Frauen. Als sie ein Philosophiestudium in Paris beginnt, eröffnet sich für sie eine völlig neue Welt. Hin- und hergerissen zwischen Familientradition, Glauben und ihrem Wunsch nach Freiheit muss Fatima ihren eigenen Weg finden… Hafsia Herzi beweist erneut ihr feines Gespür für Figuren, die zwischen Verletzlichkeit und Widerstandskraft oszillieren. Der Film taucht tief in die Intimität eines prekären Familiengefüges ein und erzählt dabei mit einer bemerkenswerten Ruhe – und einer Präzision, die unter die Haut geht. Herzi inszeniert mit kompromissloser Ehrlichkeit. Ihre Hauptfigur trägt eine stille, aber unbändige Kraft in sich. Jede Entscheidung, jeder Blick ist aufgeladen mit unausgesprochenem Druck und dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Die Regisseurin beobachtet sehr genau, statt zu bewerten – und genau daraus entsteht die Wucht dieses Films. Visuell zurückhaltend, emotional hochkonzentriert und ganz von der starken Hauptdarstellerin Nadia Melliti geprägt – mit einer Darbietung, die sich unmittelbar ins Gedächtnis brennt. Sie spielt nicht – sie lebt diese Rolle und ihr gelingt das seltene Kunststück, innere Zerrissenheit ohne große Worte sichtbar zu machen. Ein kraftvolles Drama, das Herzi als eine der spannendsten Stimmen des zeitgenössischen französischen Kinos bestätigt.
