Die Gruppe “Freischwul” wurde um 1978 in Freiburg gegründet, um das Vakuum zu füllen, das nach dem Ende der Gruppe „Homosexualität und Gesellschaft“ Mitte der 1970er-Jahre entstanden war. Ursprünglich handelte es sich um einen privaten Kreis von nur sechs bis sieben Männern, die sich zunächst in Privatwohnungen trafen, jedoch aufgrund des schnellen Wachstums bald größere Räumlichkeiten benötigten. Ab etwa 1980 etablierte die Gruppe einen „offenen Abend“ in der sogenannten „Lila Klara“, einem Schuppen hinter dem Café Einstein in der Klarastraße, der sich ausdrücklich als Gegenpol zur kommerziellen Szene verstand. Im Laufe der Jahre wanderte dieser Treffpunkt über die „Fabrik“ in der Habsburgerstraße und den alten Wiehrebahnhof bis hin zum Strandcafé, wo das Freitagscafé der Rosa Hilfe Freiburg heute vierzehntägig stattfindet.
Kulturell leistete die Gruppe Pionierarbeit, indem sie die erste Schwule Filmwoche in Freiburg ins Leben rief und maßgeblich an einer Tagung der Schwulen Aktion Südwest in der Studentensiedlung beteiligt war. Zu Beginn der 1980er-Jahre kam es zu einer politischen Abspaltung, als sich die schwule Gruppe des Autonomen Zentrums aufgrund eines abweichenden Politikverständnisses von Freischwul trennte. Die Wirkung der Gruppe reichte jedoch weit über ihre eigene Existenz hinaus: Aus ihrem studentischen Umfeld entstand 1983 das „Rosa Telefon“, aus dem wiederum im Jahr 1985 die Rosa Hilfe Freiburg e.V. hervorging. Damit markierte Freischwul eine entscheidende Phase in der Entwicklung von privaten Zirkeln hin zur Institutionalisierung der heutigen Regenbogen-Community in Freiburg.
Quellen: SiF-Magazin September 2005
