Rosekids e.V.

25 Jahre Rosekids

Rosekids – von alten Zeiten und wiederkehrenden Problemen

Im Jahr 1987 annoncierte Muque, das „Urgestein“ der Rosekids – und Freiburg antwortete. Aus dem kleinen Gelegenheitstreff ist nach einem viertel Jahrhundert eine der größten schwul-lesbischen Jugendgruppen Baden-Württembergs herangewachsen. Es ist Zeit, zurückzuschauen…und sicher auch zu feiern!

Die Geschichte der Rosekids ist wie die einer kleinen Blume. Die Blume wird geknickt und verpflanzt und entwickelt sich trotzdem zu einem kräftigen Rosenstrauch – jedem Winter trotzend und eigenwillig in der Blütezeit.

Wir sind uns sicher einig, dass der Verein schon vieles durchgemacht hat. Er hat sehr viel erreicht, aber auch einiges verbockt! Das sind ungewohnte Worte zu einem Jubiläum – aber Spontanität, Unstetigkeit und Dynamik gehören zu einem Jugendverein wie das Gummi zur Aidshilfe. Die Rosekids sind Meister darin, sich selber neu zu erfinden und scharf den Kurs zu wechseln. Nun haben sie seit längerem stetigen Rückenwind und halten den Kurs.

Ein geeigneter Zeitpunkt – finden wir –, um einmal innezuhalten und zurückzublicken. Denn woher kommt der Verein eigentlich? Und wohin will er?

Ich habe mit Steff und Peter geredet – zwei Rosekids der ersten Stunde – und wollte wissen, wie sie die Rosekids damals erlebt haben.

JONAS: Hallo Steff, Hallo Peter! Da wir ein Jugendverein sind, ist es bei uns ein ständiges Kommen und Gehen. Das ist auch gut so, aber dadurch wissen wir nur wenig über unsere Wurzeln – die uns aber trotzdem interessieren! Und da kommt ihr ins Spiel. Wann seid ihr denn zu den Kids gekommen?

PETER: Das war so um 1991, kurz nach meinem Abitur. Ich hatte damals mein Coming out bei meinem besten Freund, der seinerseits sich mir gegenüber geoutet hat. Und so sind wir gemeinsam in die Jugendberatung in der Engelbergerstraße gegangen, wo damals die Rosekids ihre Räume hatten.

STEFF: Ich bin damals auf die Annonce in der Zypresse aufmerksam geworden – das war 1987.

JONAS: Seid mir nicht böse, wenn ich euch somit auch als „Urgestein“ der Rosekids bezeichne. Was habt ihr euch damals vom Verein erhofft?

STEFF: In den 80ern war das Coming-Out noch eine andere Angelegenheit als heute. Ich habe natürlich gehofft, viele Lesben und Schwule in ähnlichen Situationen, wie ich es war, kennen zu lernen. Aber auch einfach Tipps zu „Wie sage ich es meinen Eltern“…

PETER: Für mich war wichtig, andere Schwule kennen zu lernen und Freunde und vielleicht sogar den Traumprinzen zu finden.

JONAS: Ich glaube, heute sind die Beweggründe gar nicht so anders! Wie habt ihr den Verein zu eurer Zeit denn erlebt?

PETER: Damals gab es die Rosekids ja nicht als Verein im rechtlichen Sinne. Wir waren eine lose Gruppe mit einem harten und sehr bunten Kern. Da trafen Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Viele waren sehr politisiert, junge Studenten, die alternativ orientiert waren. Andere kamen aus den umliegenden Dörfern Freiburgs wie ich übrigens zu Beginn auch. Für die waren die Mittwochabende eine Pause von dem Druck, dem zumindest ich mich ausgesetzt fühlte. Bei den Rosekids habe ich gelernt, schwul zu leben.

JONAS: Dabei kam es sicher zu vielen schönen, aber auch zu ungemütlichen Momenten, oder?

PETER: Aber sicher! Es war immer sehr lustig zu sehen, wie Neulinge sich in die Jugendberatung schlichen, und wie manche dann im Laufe der Zeit aufblühten, bis sie beim Waldsee im Fummel aufgetreten sind. Aber wir haben auch mit harten Bandagen um attraktive Jungs gekämpft, was Freundschaften auf harte Proben gestellt hat. Außerdem erlebten viele Rosekids eine Umwelt, die viel homophober war als heute – dieses Erleben brachten sie mit in die Gruppe. Manchmal konnte das die Stimmung sehr anheizen, und zwar negativ.

JONAS: War es bei dir anders, Steff?

STEFF: Am Anfang war ich sehr schüchtern! Aber ich blieb tapfer und ging weiter regelmäßig hin. Und nach wenigen Wochen habe ich ein Mädchen kennen gelernt, in das ich mich total verschossen habe. Die Atmosphäre bei den Kids hatte etwas zwischen Politik-Aktionismus und Kaffeeklatsch. Eine gute Mischung, die mich immer wieder hingezogen hat.

JONAS: Und was wurde aus dem Mädchen?

STEFF: Sie wurde meine erste Freundin. Wir haben viele schöne und verrückte Sachen unternommen… darunter auch ein Selbstverteidigungskurs für Frauen…

JONAS: Das kommt mir beides sehr bekannt vor. Ich würde gerne noch weiter mit euch quatschen – aber ich spüre, wie mir der Layouter im Nacken sitzt und die Seiten zählt. Noch eine letzte Frage: Was unterscheidet die Rosekids von heute vom Verein von damals?

STEFF: Ich glaube, dass es gar keinen großen Unterschied gibt. Wir haben viel unternommen und hatten auch viel Kontakt zu anderen Vereinen, jedoch war das noch im analogen Zeitalter. Der Kontakt musste über andere Wege als das Internet gehalten werden.

PETER: Die blauen Seiten oder Smart-Phones waren damals kein Thema. Aber das Gespräch stand schon damals im Mittelpunkt. Und wahrscheinlich sind die Themen heute ganz ähnlich wie damals: Jungs, Jungs, Jungs.

JONAS: Vielen Dank für eure Zeit. Natürlich seid ihr auch herzlich zu unserem Jubiläum eingeladen! Wir bleiben einfach in Kontakt.

Neue Zeiten und alte Themen. Die Rosekids von früher haben zwar nur wenig mit dem Rosekids e.V. von jetzt zu tun, und doch beschäftigen uns immer noch dieselben Probleme. Der Verein bietet heute wie damals die Möglichkeit, sich auszutauschen, Ballast abzuladen und zu lernen, „schwul zu leben“ (natürlich auch lesbisch). Während dieses Angebot im Jahr 1987 noch alternativlos war, konkurriert der Rosekids e.V. heute mit vielfältigen Angeboten im Netz. Und das tut er ziemlich erfolgreich. Ganz nach dem Motto: „Raus aus dem Netz, komm’ zu uns – rein ins wirkliche Leben!” knüpft er analogen Kontakt außerhalb der digitalen Welt und trotzt erfolgreich dem Zahn der Zeit.

Die Rosekids haben 25 Jahre voller Höhenflüge und Talfahrten hinter sich, der Verein hat viele Generationen „Rosenkinder“ erlebt und wird jetzt ein viertel Jahrhundert alt. Das wollen wir – die aktuellen Rosekids – mit euch allen feiern! Deshalb laden wir dich und all deine Freunde ein, zu unserem Jubiläumsfest „ROSEKIDS – 25 Jahre andersrum“. Trefft Rosekids aller Generationen, habt einen schönen Tag und genießt den Sommer! Wir bieten ein kleines Rahmenprogramm, Unterhaltung in entspannter Atmosphäre, Getränke und kleine Snacks. Alle Freunde der Szene und die, die es werden wollen, sind herzlich eingeladen. Schaut für aktuelle Infos auf unserer Homepage vorbei! |

Jonas (Leiter des erweiterten Vorstandes des Rosekids e.V.)

Quelle: SiF-Magazin Juni/Juli 2012