20 Jahre Magazin “schwulinfreiburg”

April 2011

SiF, SchwuF, Hilfe-Heft: Das Veranstaltungs- und Informationsmagazin der Rosa Hilfe (RH) hat viele Spitznamen. „schwul in freiburg“ erscheint nun bereits seit zwanzig Jahren und informiert regelmäßig über das aktuelle Geschehen in und um Deutschlands kleinste Großstadt. Mit meist vierzig Seiten Umfang liegt das Heft alle zwei Monate kostenlos an über fünfzig Stellen in Freiburg und Umgebung aus. Doch die Anfänge waren eher kleiner. Umfang und Erscheinungsbild haben sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert.

1991 erscheint die erste Ausgabe, ein beidseitig mit Terminen und Adressen bedrucktes A5-Blatt. Ziel ist es, der Szene einen Überblick über die immer zahlreicher werdenden schwulen Vereins- und Gruppenangebote der Stadt zu bieten. So ruft die Volleyballgruppe, damals noch eine Untergruppe der RH, immer wieder zum Mitmachen auf, lädt die „Freizeitgruppe“ zum gemeinsamen Spieleabend ein und kündigt der Verein sein wöchentliches Gruppentreffen an. Zusammengestellt wird dieses „Infoblatt“ von Philipp Fehrenbach, langjähriges Vorstandsmitglied der RH.

Bereits zwei Jahre später finden auch größere Ankündigungen und Veranstaltungshinweise ihren Platz. Das nun vier Seiten umfassende Faltblatt erhöht 1993 seine Auflage auf dreihundert. Und auch redaktionelle Beiträge erscheinen zu dieser Zeit erstmals. So prangt im Juli 1994 der Titel „Schwule und Politik – ein Paradox?“ auf Seite eins. Und die Erkenntnis ist wohl dieselbe wie heute: „Eine Schwanzlänge weit denken reicht nicht.“

In den kommenden Jahren wird die Schriftgröße mit jeder Ausgabe immer kleiner, um fortschreitend mehr Inhalt auf dem vorhandenen Platz unterzubringen. 1995 wird auch im „schwul in freiburg“ das zehnjährige Vereinsjubiläum mit der Veröffentlichung des Jubiläumsprogramms und der Rede zum Empfang im Historischen Kaufhaus gefeiert, in welcher Tobias Bube schreibt: „Ich wurde in letzter Zeit (…) immer wieder daran erinnert, wie ich in der Rosa Hilfe eigentlich arbeiten will. Wir feiern heute unsere Vereinsgründung vor zehn Jahren, und wenn das mehr sein soll als Selbstbespiegelung, dann will ich „Gründung“ so verstehen, wie Hannah Ahrendt das vorgeschlagen hat, nämlich als ein Erinnern nach vorn.“

Im Juni 1995 wird die Auflage zunächst um einhundert erhöht, im Dezember desselben Jahres erreicht die Heftauflage die fünfhundert – und gerade einmal drei Monate später steigt diese Zahl um nochmals einhundert. Im März 1997 findet schließlich auch der in der Szene weit verbreitete Spitzname „SiF“ seinen Weg auf das Titelblatt und verweilt dort viele Jahre.

Im Mai 1998 kommt es zu großen Veränderungen – vom Faltblatt zum Informations- und Veranstaltungsmagazin mit regelmäßig rund 30 Seiten Umfang. Unter der Regie von Uli Geusen zieren nun ein neuer Schriftzug und der Rosa Winkel den Titelkopf, und ab Dezember 1998 besteht die Titelseite nicht mehr zeitungsmäßig aus Text, sondern ein Titelbild ziert das Cover. Die aus dieser Erweiterung resultierenden steigenden Kosten werden jedoch weiterhin ausschließlich durch die Vereinsgelder der RH getragen. Aus einem werden im Laufe der Zeit erst zwei, dann drei, dann immer mehr Redaktionsbeiträge. So berichtet man 1998 über den schockierenden Mord an dem einundzwanzigjährigen Homosexuellen Matthew Shepard in Laramie/USA und über die voranschreitenden Entwicklungen zur „Homo-Ehe“.

Im September 1999 erhöht sich die Auflage von mittlerweile siebenhundert- auf achthunderfünfzig. Steigende Kosten und Überlegungen zur weiteren Finanzierung des Heftes lassen im selben Jahr die ersten Werbeanzeigen Einzug halten. Dennoch trägt auch weiterhin der Verein den größten Teil der Kosten aus Vereinsgeldern – man möchte das Heft nicht von Werbung überschwemmt wissen, es aber auch weiterhin kostenlos verteilen. Im Sommer 2000 erreicht das „schwul in freiburg“ eine Auflagenstärke von eintausend und ab Sommer 2002 druckt die RH eintausenddreihundert Exemplare.

Im Rahmen des zwanzigjährigen Bestehens der RH im Sommer 2005 erinnert sich Bill Schaefer in seiner in der Ausgabe September/Oktober erschienenen Rede zum Jubiläumsempfang im Gasthaus Waldsee: „Auch mir persönlich hat die Rosa Hilfe geholfen. (…) Zuerst habe ich beim Beratungstelefon angerufen, damals bei Kälte und Dunkelheit in einer Telefonzelle, da ich von zu Hause aus nicht anrufen konnte“. Zur selben Zeit beginnt ganz still und heimlich die Arbeit an einer weiteren und der letzten großen Umgestaltungsphase, um dem Heft erneut ein neues Gesicht zu verpassen. Zum 2006 folgenden fünfzehnjährigen Jubiläum des „schwul in freiburg“ erscheint das Heft in neuem Format, neuer Optik und erstmals auch nicht mehr in schwarzweiß.

Als die RH im selben Jahr von der Eschholzstraße in die neuen und größeren Räume auf dem Grethergelände zieht, findet auch die ehrenamtlich arbeitende Redaktion des Magazins einen Platz für ihre Arbeit, die zuvor in privaten Räumen stattfand.

Nicht nur im letzten, dem „Jahr des Erinnerns“, ist das Dritte Reich Thema gewesen. Ende 2007 berichtet „schwul in freiburg“ über das Geschichtsprojekt dreier Schülerinnen des St. Ursula Gymnasiums, welche sich des Themas „Homosexualität in der NS-Zeit“ angenommen haben.

Mittlerweile erscheint „schwul in freiburg“ in seinem zwanzigsten Jahr mit einer Auflage von eintausendfünfhundert. Im Laufe der Jahre hat sich aus dem zweiseitigen Infoblatt ein kleines, aber doch beliebtes Magazin entwickelt – getragen vom ehrenamtlichen Engagement zahlreichender helfender Hände. Bis heute erscheint „schwul in freiburg“ kostenlos und mit der Unterstützung der fleißigen Schreiber, Layouter und Verteiler.

Und Dank der zahlreichen Leser und Unterstützer. | ab

Quelle: SiF-Magazin April/Mai 2011