
Die Idee
hatten andere wohl auch schon: eigene Räume für die Schwulen in Freiburg. Ansätze dazu gibt es seit den ersten Schwulengruppen in den siebziger Jahren. Von der Arbeitsgruppe Homosexualität und Gesellschaft 1972 zur H6G, die Lila Klara im Stühlinger Hinterhof, Frei-schwul, bis hin zur Schwulengruppe im Autonomen Zentrum (AZ). Männer aus dieser Gruppe übernahmen 1984 das Rosa Telelon, das bis dahin in Privatinitiative betrieben wurde. 1985 wurde die Rosa Hilfe Freiburg e.V. gegründet, der sich 1987 die schwule Hochschulgruppe anschloß. Diese Gruppe wurde pubertär, produzierte Pickel, masturbierte und wurde schließlich so erwachsen, wie es Schwulen möglich ist.
Leider hockten wir bis heute immer noch im Kinderzimmer. Wir pendeln zwischen Jos Fritz Buchladen, dem Telefonkabuff, dem Radikal Demokratischen Club, Privatwohnungen, der Kindertagesstätte auf dem Grether Gelände und der alten Uni hin und her. Ab Februar könnte dies anders werden:
Die Räume
liegen im ersten Stock der Spechtpassage, die die Wilhelmstraße mit der Schnewlinstraße verbindet. Es handelt sich hierbei um ein selbstverwaltetes Projekt. Mit dem dort ansässigen Buchladen, dem Archiv für soziale Bewegungen, dem Arbeitskreis Alternative Kultur (AAK) und der Druckerei im Grün arbeiteten wir bereits bei vielen Gelegenheiten zusammen. Als das Projekt 1986 die zum Teil denkmalgeschützte Passage kaufte, befand sie sich in keinem guten Zustand. Eine umfassende Renovierung kann das Projekt aus eigenen Mitteln nicht finanzieren.
Aus diesem Grund muß die Rosa Hilfe die notwendigen Arbeiten an den Räumen vorfinanzieren. 70 qm Fußboden sind zu erneuern, drei Fenster müssen ausgetauscht werden, Wasser- und Elektroleitungen müssen modernisiert werden, eine Heizung muß auch rein.
Wände und Decken können mehr als nur Tapete und Farbe vertragen. In die Kalkulation ging ein, daß wir schuften, malochen, rackern, schwitzen, werkeln, basteln, schnippeln, uns verkünsleln werden. Trotzdem standen am Ende noch immer DM 13.000.- auf der Soll-Seite. Die spätere Kaltmiete würde ca. DM 550,- monatlich betragen. Dazu kämen Nebenkosten von etwa DM 150,–
Ihr Nutzen
wird umfassend sein und das schwule Leben in Freiburg bereichern, direkt und hintenrum.
Die Rosa Hilfe wird ihre Arbeit besser organisieren können. Die coming-out Gruppen können endlich in angemessenen Räumen stattfinden, Das Rosa Telefon kann, von Putzeimern, Tiefkühltruhen und Atemnot befreit, die Beratung auf nachmittags ausdehnen. Die fachliche Betreuung der Beratungsgruppe und die Gruppensitzungen der Rosa Hilfe können heraustreten aus Nebenabstellhinterbücherkammern, hinein in lichte Hallen.
Es wird endlich ein Büro mit gleitenden Arbeitszeiten geben. Die Schwule Welle im Radio Dreyeckland wird ihr Archiv einrichten können. Die Rosekids, die schwul-lesbische Jugendgruppe, kann dort blühen und gedeihen. Regionale und bundesweite Treffen der Schwulenbewegung können nach Freiburg kommen.
Den “Homo Freiburgiensis” werden wir traktieren mit Traktaten, Lesungen, Vor-trägen, Filmabenden, Gesprächs-, Diskussions- und Streitrunden, Fummelnähkursen, Safer-Sex Workshops, kleineren Festlichkeiten und anderen rosaroten Zerstreuungen.
Und Ihre Liebhaber
sind all jene: Homosexuellen, Homophi-len, Homoeroten, Homoerasten, Homoopathen, Schwule, Schlampen, Schwuchteln, Schwestern, Mädels, Ur-ninge, Keils, Boys, liebe Männer, alle unbehaarten, sauberen, diskreten, ehrlichen, jüngeren, knabenhaften, ver-mögenden, passiven, aktiven, anschmiegsamen, verständnisvollen, großen, starken, väterlichen Männer, Frisösen, Fritösen, Tucken, Tanten, stramme Mäxe, Sahneschnitten, Zuckerpüppchen, Honigmåulchen, Land-pomeranzen, devote Sklaven, Fetischisten, Liebestollen, Gänseblümchen, Dotterblumen, Pusteblumen, Löwenmäulchen, Halbseidenen, Priester, Profane Propheten, die dieses Projekt unterstützen wollen.
Mit Verstand, mit Herz und mit der Hand, möglichst einer offenen. Der Vertrag kann nur unterschrieben werden, wenn bis zum 30. Januar die finanzielle Grundlage für den Umbau gesichert ist. Dies kann durch Spenden oder eine Fördermitgliedschaft bei der ROSA Hilfe e.V. geschehen. Bei Interesse organisieren wir gern einen Lokaltermin mit Führung und Kaffeeklatsch.