Sehr geehrtes Mitglied des Sozialausschusses,
wenn Sie am 25.1.1990 über den Nachtragshaushalt in Sachen “Soziales” beraten, entscheiden Sie dabei auch über die finanzielle Grundlage der zukünftigen Arbeit der Rosa Milfe Freiburg e.V.
Seit nunmehr sieben Jahren (davon viereinhalb Jahre als gemeinnütziger Verein) setzen wir uns für die besonderen Interessen der schwulen Bürger Freiburgs ein. Konkret bedeutet dies:
- einmal wöchentlich anonyme Telefonberatung, sonst Anrufbeantworter
- persönliche Beratungsgespräche auf Nachfrage
- jeweils zu Semesterbeginn eine “Coming-Out-Gruppe”, um Schwulen auf ihrem Weg aus Anonymität und Versteckspiel Hilfestellung zu leisten (jeweils ein Semester lang, sowie ein Wochenendseminar). Die Mitglieder der Beratungsgruppe erhalten zeitweise Unterstützung von einer Supervisorin und besuchen Fortbildungen zur Beratungsarbeit.
- zwei-bis dreimal monatlich den “offenen Abend”, wo wir eine Vielzahl von Zielgruppen erreichen, die “offizielle” Stellen nicht aufsuchen würden; Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe. Rat- und Hilfesuchende werden gegebenenfalls weiterverwiesen.
- 1990 zum 6. Mal die “Schwule Filmwoche” im Kommunalen Kino, die Publikum aus ganz Baden-Württemberg und darüberhinaus anzieht: Ebenso wie die
- Dichterlesungen (zuletzt Detlev Meyer (Berlin-Vest) und Jürgen Lemke (Berlin-Ost) Möglichkeit, das tabuisierte Schwulsein zu thematisieren.
Schon seit Jahren erschweren uns akute Raumprobleme unsere Arbeit. Wir pendeln z.Z. zwischen vier Lokalitäten hin und her. Die Coming-Out-Grupppe trifft sich hinter den nicht sehr diskreten Glasfenstern des Kulturcafés der Alten Uni. Seit Ende November bietet sich nun die Möglichkeit, eigene Räume zu mieten; allerdings müssen die Renovierungsarbeiten geleistet werden, um die Räume längerfristig nutzen zu können. Deshalb beantragen wir einen Zuschuss für den erforderlichen (Fenster, Heizung, Fußboden, 13.000 DM) und die Summe der Jahresmiete in Höhe von 7.200 DM. Nach Prüfung der Verwaltung gingen lediglich 4.100 DM (Kaltmiete 50%, und Nebenkostenzuschuss) in den Nachtragshaushalt ein.
Dies wird nach dem derzeitigen Kassenstand der Rosa Hilfe e.V. und trotz intensiver Bemühungen um Unterstützung durch Einzelpersonen nicht genügen, um die Anmietung und Renovierung in Angriff zu nehmen.
Nach der Verwaltungsvorlage möchten wir nun mit dem Vorschlag einer Aufstockung an Sie herantreten.
Denkbar wären hierbei zwei Möglichkeiten: Zunächst die Aufstockung des bereits vorliegenden Verwaltungsvorschlags auf 75% der Warmmiete, 6.150 DM.
Hilfreich wäre auch die Erweiterung der Vorschlags um einen Posten der Renovieringskosten. Hier böte sich die Finanzierung des Neueinbaus der Fenster an. Da es sich um ein denkmalgeschütztes Areal handelt, müssen Holz-Sprossen-Doppelglas-Fenster (wärmeisolierend) eingesetzt werden. Dies wird sich voraussichtlich auf 4.000 DM belaufen.
Wir hoffen, in dieser Frage mit Ihrer Unterstützung rechnen zu können.
Für weitere Informationen stehen wir gerne bereit.
Mit freundlichen Grüßen
