50 Jahre Feministisches Zentrum (fz*)

Vor knapp 50 Jahren erobert sich die Freiburger Frauenbewegung das erste Frauenzentrum in den eigenen vier Wänden. Auf den drei Stockwerken etabliert sich der erste Frauenbildungsverein „Frauen lernen gemeinsam“ mit Bibliothek, Café, Küche und mit zwei Plenumsräumen, in denen mal Flaute herrscht und mal die Räume vor Gruppen aus allen Nähten platzen. Im Jubiläumszeitraum im April und Mai öffnet das femininistische Zentrum die Türen für alle interessierten Frauen, Lesben, Mädchen, trans, inter, nicht-binären und agender Personen!

Kleiner Ritt durch die Geschichte

Die Ersten trafen sich 1907 im Frauenklub, Rathausgasse 33. Dort gab es sogar einen Mittagstisch und Logierzimmer. Und viele feministische Baustellen. Die Neue Frauenbewegung öffnet 1974 mit dem Frauen-Tausch-Laden im besetzten Haus Hummelstraße 6 einen kleinen eigenen Ort. Und veranstaltet rauschende Frauenpartys. 1975, nach der Räumung der H6, zieht die Bewegung in zwei kleine Räume des Italienischen Arbeiter*innenclubs ARCE in der Schwarzwaldstraße. Bis sich im Herbst 1976 die Luisenstraße 5 auftut: hier ist zum ersten Mal Platz für diverse feministische Gruppen und Vereine. Auch für die erste Lesbenbar in der Geschichte Freiburgs! Das Ende ist leider bitter: 1984, nach einem heftigen Brand, gibt es zwei Jahre kein fz in Freiburg. In der Schwarzwaldstraße 107 macht eine neue Generation 1986 die Wiederbelebung, mit einer Namensänderung in FrauenLesbenzentrum. Im Sommer 2000 zieht es aufs Grethergelände, wo es heute als fz* feministisches Zentrum für Inter*Agender*Non-Binary*Trans*Mädchen* Lesben*Frauen offen steht.

Und heute?

Das fz* gäbe es schon lange nicht mehr, würde es sich nicht permanent verändern. Es spiegelt die feministischen Ideen und Bewegungen der jeweiligen Zeit und auch, wer sie mitbestimmt. Die vorher Unsichtbaren tauchen im Namen auf und das ist meist erst der Anfang langer Prozesse. In einem hat sich das fz* dabei jedoch nicht verändert: es ist autonom und selbstverwaltet. In fünf Jahrzehnten wurde nichts institutionalisiert. „Das fz*“ – heißt es im Selbstverständnis – „sind all diejenigen, die es nutzen. Das fz* ist Kino, ist Küche, ist Trainingsspace, ist Werkstatt, ist Theaterbühne, ist Plenarsaal, ist Raum für feministische Aktionen, ist…“

Das fz* versteht sich als kultureller und politischer Raum. Als ein geschützter Space, an dem Menschen Kraft, Mut und Solidarität entwickeln können. Denn dann kann alles mögliche entstehen. Und dieses „alles mögliche“ ist heute vielleicht so wichtig, wie schon lange nicht mehr. Deswegen: Feiert mit uns! Und lasst uns in all unserer Vielfalt und Kreativität weiter für eine Welt kämpfen mit Luft zum Atmen und Geborgenheit für alle!

Die Sache mit der Knete

Das fz* ist ein sehr unkommerzieller Raum. Gruppen können es für verschiedenste (sozio)kulturelle Aktionen nutzen, es gibt keinerlei Mitglieds- oder Konsumzwang. Das ist nur möglich, weil das fz* seit vielen Jahrzehnten einen Mietkostenzuschuss vom Kulturamt erhält. Für diese Unterstützung unserer feministischen Frei-Räume danken wir der Stadt Freiburg sehr herzlich!


Queere Geschichte*n Freiburg: Station 15 – Feministisches Zentrum