England: Der Fall Oscar Wilde (1895)

Titelseite zum Prozess gegen Wilde

Der Fall Oscar Wilde

Von großer Bedeutung für die öffentliche Wahrnehmung des Themas waren die Prozesse wegen Unzucht gegen den britischen Schriftsteller Oscar Wilde 1895. Der Fall wurde in England zum historischen Markstein der öffentlichen Diskussion um Homosexualität und rückte erstmals die „homosexuelle Frage“ ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Auch in anderen Ländern Europas wurde über den Fall berichtet, besonders in seinem Geburtsland Irland und in Frankreich, wo er sehr bekannt war. In Deutschland, wo Wilde noch fast unbekannt war, war die Berichterstattung deutlich zurückhaltender. Nur wenige Zeitungen berichteten von dem Skandal und wenn, dann meist kurz und eher, um sich über den vermeintlichen allgemeinen Verfall der englischen Gesellschaft oder sein Klassen-, Justiz- und Gefängnissystem zu echauffieren, Homosexualität wurde kaum thematisiert.

Trotzdem hatte der Fall Oscar Wilde jedoch in Deutschland wichtige Auswirkungen, da er für zentrale Figuren der kommenden Homosexuellenbewegung zum Auslöser ihrer aktivistischen Arbeit wurde. Magnus Hirschfeld nahm ihn zum Anstoß, sein erstes Buch zu verfassen (Sappho und Sokrates), Max Spohr begann Bücher über Homosexualität zu verlegen, Kurt Hiller und Arthur Kronfeld veröffentlichten erste Texte gegen den Paragraph 175. Am bedeutendsten war jedoch die hierdurch angestoßene, zwei Jahre später erfolgte Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees.

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Erste_Homosexuellenbewegung