Abwehrkräfte stärken… gegen Nazis, COVID-19 & andere gefährliche Bedrohungen!
Die Pride-Feierlichkeiten erinnern Jahr für Jahr an das Aufbegehren von Menschen der LSBTTIQ-Community in der NewYorker Christopher Street 1969. Der Kampf für gleiche Rechte und Akzeptanz sind seit Anbeginn Teil unserer Community.
Mit unserem diesjährigen Motto richten wir den Fokus auf den Kraftakt als einzelne Person zu sich selbst zu stehen, als Gemeinschaft zu bestehen und solidarisch zu sein mit denen die Hilfe brauchen.
In der aktuellen Krise um COVID-19 gilt es unsere eigenen Abwehrkräfte zu stärken. In Zeiten von “sozialer Distanz” (“social distancing”) und “emotionaler Isolation” (“emotional isolation”) geht es darum körperlich und emotional fit zu bleiben und nicht aufzugeben. Risiken abzuwägen, sich selbst und andere nicht zu gefährden und vor allem einander zu helfen, soll das Gebot der Stunde sein, damit wir diese Krise gemeinsam überstehen.
Wir dürfen unsere Rechte, Ziele und Ideale nicht aufgeben und uns schon gar nicht von kruden Verschwörungstheorien oder menschenverachtenden Hetzer*innen verführen lassen.
In diesen Zeiten der Verunsicherung und schier unplanbarer Zukunftsaussichten ist es umso wichtiger besonnen zu bleiben, einen kühlen Kopf und die Menschlichkeit im Herzen zu bewahren.
Und auch wenn auf der tagespolitischen Agenda anscheinend kaum ein anderes Thema als COVID-19 zu existieren scheint, gibt es doch auch andere massive Bedrohungen für die LSBTTIQA-Community.
Nationalismus, Rechtsextremismus und Konservatismus bedrohen uns seit jeher und erleben als politische Strömungen seit Jahren eine gesellschaftliche Renaissance. Wir müssen unsere Abwehrkräfte stärken gegen alles was uns von rechts bedroht. Wir müssen aktiv werden gegen den Übergriff auf offener Straße, gegen Ressentiments in den Köpfen und gegen politische Organisationen und Parteien wie zb die AfD. Wir müssen solidarisch sein mit den Menschen die täglich an den europäischen Außengrenzen stranden und sterben. Unsere Community muss den reaktionären und antiemanzipatorischen Kräften in unserer Gesellschaft die Stirn bieten und einen menschlichen Gegenpol darstellen.
Unsere Abwehrkräfte können wir auch dadurch stärken, indem wir einander sehen und wahrnehmen. Wir werden nicht dadurch stark, dass wir uns nur für unsere eigenen persönlichen Belange einsetzen, sondern dadurch, dass wir einander sehen und uns auch füreinander einsetzen. Das ist Solidarität.
Lasst uns unsere Abwehrkräfte stärken, jede*r für sich und gemeinsam; für die Rechte und Akzeptanz von LSBTTIQA und aller anderen Menschen.
Damit wir überstehen was uns aktuell und in Zukunft bedroht.
Lasst uns dafür kämpfen, dass sich kein Mensch mehr für seine Liebe verstecken muss.
Für die LIEBE
Euer CSD Freiburg
Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=3881909701850686
Heute wären wir zu Tausenden durch die Straßen Freiburgs gezogen.
Da dies aber heute leider nicht möglich ist, bitten wir darum, dass ihr euch ein paar Minuten Zeit nehmt.
Lest euch unsere Forderungen durch und überlegt wie ihr dazu beitragen könnt diese zu verwirklichen; jede*r für sich und auch gemeinsam mit uns, euren Freund*innen und unserer Community.
Gemeinsam gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt!!!
Wir sehen uns als Teil des queeren Feminismus und setzen uns für einen gemeinsamen Kampf für die Rechte aller ein: unabhängig von sozialer, kultureller, geografischer Herkunft, Fähigkeiten, körperlicher Ausprägung oder sexueller Orientierung und Identität.
– Wir fordern die Gleichstellung und Anpassung an queere Lebensrealitäten, frei von religiös dominierten, heteronormativen und sexistisch geprägten Machtvorstellungen.
– Wir fordern mehr Räume für queeren Aktivismus, für Freiburg explizit ein queeres Zentrum im Herzen der Stadt.
– Wir freuen uns über die Öffnung der Ehe, fordern aber die völlige Gleichstellung queerer Lebensgemeinschaften, vor allem in Bezug auf das noch bestehende diskriminierende Adoptionsverfahren für queere Lebensgemeinschaften, welches mit Abänderung des Grundgesetzes aufgehoben werden könnte.
– Wir fordern darüberhinaus eine grundsätzliche gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem bisherigen Konzept von Ehe und Familie.
– Wir fordern die Anpassung der Bildungspläne an queere Lebensrealitäten.
– Wir fordern ein sofortiges Ende der Verbreitung sexistischer Sprache, Rollenbilder und anderer patriarchaler Machtstrukturen (z.B. Lohndiskriminierung von Frauen*, sexistische Werbung und Bagatellisierung von sexuellen Übergriffen).
– Wir fordern Gewalttaten statistisch zu erfassen und Hassverbrechen gegen Menschen, die von der Heteronorm abweichen, zu ahnden.
– Wir fordern ein sofortiges Ende der Pathologisierung von Trans* und Inter*-Personen.
– Wir fordern die Möglichkeit zur unkomplizierten Änderung des Personenstands (Angaben zu Namen und Geschlecht).
– Wir fordern das Verbot von geschlechtszuweisenden medizinisch nicht indizierten Operationen an Kindern und Säuglingen vor dessen Einwilligungsfähigkeit.
– Wir sprechen uns gegen die Stigmatisierung und Ausgrenzung von HIV-positiven Menschen aus und fordern eine umfassende nationale und internationale Unterstützung von Risikogruppen. Das beinhaltet konsequentes Fortschreiten von Prävention und Forschung sowie kostenlosen Zugang zu prophylaktischer und akuter Medikation und Therapie (z.B. auch einen internationalen und kostenlosen Zugang zur PReP).
– Wir wünschen uns mehr Solidarität innerhalb emanzipatorischer sozialer Bewegungen, weil Diskriminierungsformen eng miteinander verschränkt sind.
– Wir fordern das vollständige Ende von Konversionstherapien. Am 7. Mai 2020 wurde ein Gesetz verabschiedet, welches Konversionstherapien bei Minderjährigen bis 18 Jahre verbietet und welches auch ein vollständiges Werbeverbot beinhaltet. Jedoch schützt dies nicht Erwachsene, auch wenn es heißt, dass Therapien bei Erwachsenen auch verboten werden, wenn diese Behandlungen aufgrund eines Willensmangels, Druck oder Gewalt zustande kommen.
Gegen Rechtspopulismus, Nationalismus und religiösen Wahn!!!
– Wir fordern das konsequente Vorgehen gegen völkische, nationalistische, rechtsextreme und religiöse Propaganda, die international, europaweit und innerhalb Deutschlands auf dem Vormarsch sind!
– Wir wenden uns entschieden gegen religiöse und staatliche Unterdrückungsstrukturen und sie begünstigende Regierungen und Regime.
– Wir fordern eine konsequente Trennung von Kirche und Staat.
– Wir fordern die Anwendung des allgemeinen Arbeitsrechts (AGG etc.) auch bei kirchlicher Trägerschaft, wenn diese staatliche Aufgaben übernehmen und davon finanziert werden.
– Wir fordern ein Ende des diplomatischen Kuschelkurses mit homo- und trans*feindlichen Staaten und Regimen (z.B. auch Waffenlieferungen). Bsp.: in Freiburgs iranischer Partnerstadt Isfahan wurden 2017 dutzende schwule Männer verhaftet, deren Verbleib bis heute unbekannt ist.
– Wir fordern, dass Rechtspopulist*innen und Nationalromantiker*innen sowie Parteien, wie z.B. die AfD, daran gehindert werden mit ihren menschenverachtenden Forderungen und Inhalten den öffentlichen Diskurs zu dominieren.
– Wir fordern die Unterstützung von Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Ausprägung oder ihrer sexuellen Identität oder Orientierung fliehen mussten und müssen. Unter Geflüchteten sind LSBTIQA*-Menschen eine mehrfach gefährdete Gruppe, der besonderer Schutz zuteilwerden muss.
– Wir sind gegen eine weitere Verschärfung und Aushöhlung des Asylrechts.
– Wir fordern das Ende der Residenzpflicht.
– Wir fordern ein Bleiberecht für alle
Egal, welche Maske den Faschismus verschleiert, reißt sie herunter – wir haben keine Lust unser Leben von irgendwelchen Erdogans, Putins, Trumps und Höckes diktieren oder bedrohen zu lassen.
– Wir solidarisieren uns mit allen LSBTIQA*-Aktiven, die von Verfolgung betroffen sind, und unterstützen sie in ihren Kämpfen.
Lebt euer Leben und eure Gefühle – nicht die Norm!!!
Unsere Forderungen richten sich nicht nur an die Politik und die heteronorme Gesellschaft, sondern auch an die queere Community bzw. die „Gayszene“.
– Wir fordern von den verschiedenen Szenen sexueller Vielfalt, sich als Gemeinschaft zu begreifen. Der Kampf der Lesben ist der Kampf der Schwulen. Schwule Interessen sind nicht losgelöst von Trans*themen zu sehen!
– Wir fordern alle Lesben, Schwulen, Bisexuellen, A_sexuellen, Poly*, Trans*, Inter*, und Queeren auf, die jeweiligen Belange mit Sensibilität zu betrachten und sich miteinander zu solidarisieren.
Nur gemeinsam sind wir stark!!!
Gegen „Straightacting“ und „Homonorm“!!!
– Wir wollen keine blinde Unterwerfung bei Normen und Schönheitsidealen, gerade nicht innerhalb der LSBTIQA*-Szene.
– Wir wenden uns gegen heteronormative Rollenbilder, Körpernormen und die sogenannte „Homonorm“. Es gibt mehr als identitäre Zuschreibungen wie Butch und Femme oder Muskelpaket, Bär und Tunte.
– Wir sprechen uns gegen das besonders in der schwulen Szene zunehmende „Straightacting“ und „heterolike“ aus. Dies ist eine Tendenz, die homosexuellen Menschen heteronormatives Verhalten, Auftreten und Erscheinen überstülpt und Homosexualität in der Öffentlichkeit am Liebsten unsichtbar sähe. Die queere Szene entzieht sich damit selbst ihrer gesellschaftlichen Existenzgrundlage!
– Wir ermutigen alle, mit ihrem Aussehen und ihrem Verhalten die Norm zu sprengen.
Gegen Mehrfachdiskriminierung!!!
– Wir fordern ein Ende von Szene-internen Diskriminierungen, die sich besonders in sozialen Netzwerken und Dating-Plattformen häufen. Es ist völlig inakzeptabel, wenn Menschen beleidigt werden, weil sie angeblich zu klein, zu groß, zu dick oder zu dünn sind, weil sie dunkle oder helle Haut haben oder weil sie aus einem anderen geografischen oder sozialen Milieu stammen.
– Wir wünschen uns auch und insbesondere von der LSBTIQA*-Community eine bewusstere Wahrnehmung von (Mehrfach-)Diskriminierung und den Zusammenhängen von gesellschaftlichen Unterdrückungsmechanismen.
Der CSD Freiburg positioniert sich gegen eine Stigmatisierung von physisch und psychisch Kranken und jede Form von Ableismus, Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und allen anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Wir fordern alle auf, dagegen aktiv zu werden!
Gegen Anonymisierung!!!
– Wir wünschen uns, dass queeres Leben wieder öffentlicher und sichtbarer stattfindet – nicht nur virtuell.
– Wir wünschen uns, dass homosexuelle bzw. queere Bekundungen von Zuneigung und Zärtlichkeit genauso ihren Platz in der Öffentlichkeit haben wie Heterosexuelle. Es darf nicht sein, dass Frauen, die Hand in Hand gehen, mit Pfiffen belegt werden. Es darf nicht sein, dass Männer verprügelt werden, wenn sie sich in der Öffentlichkeit küssen.
– Wir wünschen uns, dass Sexualität nicht vom restlichen Leben entkoppelt und damit in dunkle tabuisierte Räume verbannt wird.
– Wir fordern alle Lesben, Schwulen, Bisexuellen, A_sexuellen, Poly*, Trans*, Inter*, und Queeren auf, sich wieder und mehr sichtbar zu machen. Versteckt euch nicht und zieht euch nicht in virtuelle soziale Netzwerke zurück.
Unser Leben ist genauso öffentlich oder privat wie das aller anderen Menschen.
Auf die Straßen!!!
Wir stehen in der Tradition der Straßenschlachten von 1969 in der New Yorker Christopher Street. Die Freiheiten, die LSBTIQA* heute genießen, sollten selbstverständlich sein, doch sie sind spät und hart erkämpft worden. Jederzeit können sie zurückgenommen werden, wenn rechte, religiöse und völkische Ideen in der Gesellschaft erstarken.
Seit Jahren wiederholen wir diese Forderungen fast im gleichen Wortlaut. Der Bundestag hat im Frühjahr 2017 die Rehabilitierung und Entschädigung von schwulen Männern, die nach §175 verurteilt wurden, beschlossen. Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare folgte nur einen Tag vor unserem CSD 2017. Zudem folgte nun formal die Entpathologisierung von Trans*-Menschen durch die Neuauflage des ICD 11 der WHO, sowie die mögliche amtliche Geschlechtseintragung “divers” neben weiblich und männlich. Damit wurden gerade mal vier unserer jahrelang gestellten Forderungen erfüllt (allerdings nicht vollumfänglich, wie die ärztliche Begutachtung beim Geschlechtseintrag zeigt – eine selbstbestimmte Zuschreibung von Geschlecht in Deutschland ist weiterhin nicht möglich). Es zeigt aber auch, dass es sich bei unserem Kampf und politischem Aktivismus nicht nur um leere Worthüllen handelt.
Wir solidarisieren uns mit allen LSBTIQA*-Aktiven, allen von der Heteronormativität Unterdrückten, allen Kämpfenden und allen Verfolgten weltweit.
Wir fordern alle Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Asexuellen, Poly*, Trans*, Inter*, und Queeren auf, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich den Belangen anderer emanzipatorischer sozialer Bewegungen zu widmen.
Wir feiern, lachen, weinen, arbeiten, faulenzen, freuen uns und streiten zusammen – und solange Ungerechtigkeiten bestehen, werden wir uns auf den Straßen sehen.
Aufgrund der aktuellen Ereignisse um Covid-19 ist das leider nicht möglich und wir hoffen, dass wir die Parade und Kundgebung am 19. September zusammen nachholen können.
Euer CSD Freiburg
Offener Brief an den CSD-Verein – Rosahilfe Freiburg
Liebe Engagierte des CSD-Vereins Freiburg,
wir wenden uns heute an Euch, weil uns das diesjährige Motto des Freiburger CSDs („Abwehrkräfte stärken … gegen Nazis, Covid-19 und andere bedrohliche Seuchen!“) zutiefst irritiert.
Der Freiburger CSD, den Ihr seit 2014 mit großem ehrenamtlichem Engagement und jährlich wachsendem Zuspruch organisiert, tritt seit seinen Anfängen mit einem klaren politischen und emanzipatorischen Anspruch auf. Wir halten diesen Anspruch grundsätzlich für richtig, insbesondere die entschiedene Abgrenzung gegen Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus.
Gerade vor diesem Hintergrund halten wir das diesjährige CSD-Motto allerdings für völlig verfehlt, weil es diesen Anspruch – wenn auch offenbar entgegen seiner Absicht – konterkariert. Indem das Motto Menschen mit einer „Seuche“ identifiziert, folgt es einem Motiv, das zum ideologischen Kernbestand der politischen Rechten und insbesondere auch des Nationalsozialismus gehört. Die Stigmatisierung, Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen auf Grundlage von biologistischen Vorstellungen, die sich gerade bei der Infektiologie bedienen, hat in der politischen Rechten eine lange und furchtbare Tradition; sie reicht vom Antisemitismus im 19. Jahrhundert über den historischen Faschismus und Nationalsozialismus bis hin zur Stigmatisierung homosexueller Männer während der Aids-Krise („Schwulen-Seuche“).
Wir haben keinen Zweifel, dass es nicht Eure Absicht war, den Freiburger CSD mit dieser unheilvollen Rhetorik und Ideologie in Verbindung zu bringen, die allem widerspricht, wofür der CSD als Gedenk- Kampf- und Demonstrationstag der LSBTIQ*-Bewegung steht. Gerade deshalb möchten wir Euch dazu aufrufen, das Motto zu überdenken.
Die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt bieten auch in diesem Jahr zahllose Anlässe, um auf die Straße zu gehen. Lasst uns dies in Freiburg unter einem Motto tun, das nicht selbst der Menschenfeindlichkeit verfällt, gegen die es sich eigentlich wenden möchte. Lasst es uns unter einem Motto tun, dass unsere Community in Solidarität vereint.
Mit freundlichen Grüßen
Eure Rosa Hilfe Freiburg e.V.
Abwehrkräfte stärken… gegen Nazis, Covid-19 und andere gefährliche Bedrohungen!
Wir entschuldigen uns, falls sich durch die Wortwahl im bisherigen diesjährigen Motto Menschen verletzt fühlten bzw. falls es dadurch zu Irritationen kam.
Wir haben uns entschieden das Wort “Seuche” aus dem bisherigen Motto zu streichen.
Deshalb lautet das Motto des Freiburger CSD 2020:
“Abwehrkräfte stärken… gegen Nazis, Covid-19 und andere gefährliche Bedrohungen.”
Dennoch eine Erklärung zum diesjährigen Motto:
Mit dem diesjährigen Motto wollen wir darauf aufmerksam machen, dass unsere Community auf vielfältigste Arten bedroht wird.
Das Wort “Seuche” im Mottotext zu verwenden war vor allem im Hinblick auf die stigmatisierende Verwendung des Begriffs gegen HIV-positive Menschen in der Geschichte unserer Bewegung unbedacht, auch wenn uns nichts ferner lag als diese Assoziation zu wecken.
Es ging uns nie darum mit dem Wort “Seuche” Menschen mit Krankheiten gleichzusetzen. Es war von Anbeginn immer Teil der Forderungen des Freiburger CSD die Stigmatisierung von HIV-positiven Menschen endlich zu beenden und sowohl medizinisch wie auch sozial den Fortschritt voranzutreiben.
Wir wenden uns entschieden gegen den Vorwurf nationalsozialistische Rhetorik salonfähig zu machen.
Wer den Freiburger CSD kennt weiß, dass wir uns seit 2014 von Beginn an klar und deutlich gegen gegen Faschismus, Rechtsextremismus, Nationalismus und gegen alle anderen antiemanzipatorischen Kräfte einsetzen. Wir bekennen uns klar zu den politischen Wurzeln unserer Pridebewegung und werden das auch künftig tun.
Die Wurzeln unserer alljährlichen Pride-Feierlichkeiten liegen im Aufbegehren von Menschen der LSBTTIAQ*-Community in der NewYorker Christopher Street 1969. Der Kampf für gleiche Rechte und Akzeptanz sind seit Anbeginn Teil unserer Community.
Mit unserem diesjährigen Motto richten wir den Fokus auf den Kraftakt als einzelne Person zu sich selbst zu stehen, als Gemeinschaft zu bestehen und solidarisch zu sein mit denen die Hilfe brauchen.
Warum Abwehrkräfte stärken?
In der aktuellen Krise um COVID-19 gilt es unsere eigenen Abwehrkräfte zu stärken. In Zeiten von “sozialer Distanz” (“social distancing”) und “emotionaler Isolation” (“emotional isolation”) geht es darum körperlich und emotional fit zu bleiben und nicht aufzugeben. Risiken abzuwägen, sich selbst und andere nicht zu gefährden und vor allem einander zu helfen, soll das Gebot der Stunde sein, damit wir diese Krise gemeinsam überstehen.
Warum der Bezug zu Covid-19?
Die derzeitige Krise um das Covid-Virus betrifft und gefährdet alle Menschen weltweit und belastet unsere Community in besonderem Maße im täglichen Leben. Auch aus diesem Grund haben wir uns entscheiden das Covid-Virus in unserem diesjährigen Motto explizit zu benennen.
Trotz dieser aktuellen Belastungen oder gerade deshalb dürfen wir unsere erkämpften Rechte, Ziele und Ideale nicht aufgeben und uns schon gar nicht von kruden Verschwörungstheorien oder menschenverachtenden Hetzer*innen verführen lassen.
In diesen Zeiten der Verunsicherung und schier unplanbarer Zukunftsaussichten ist es umso wichtiger, besonnen zu bleiben, einen kühlen Kopf und die Menschlichkeit im Herzen zu bewahren.
Warum wir Nazis im Blick haben?
Auch wenn auf der tagespolitischen Agenda derzeit kaum ein anderes Thema als COVID-19 zu existieren scheint, gibt es leider noch andere massive Bedrohungen für die LSBTTIAQ*-Community.
Nationalismus, Rechtsextremismus, Rechtskonservatismus und religiöser Fanatismus bedrohen uns seit jeher und erleben als politische Strömungen seit Jahren eine gesellschaftliche Renaissance. Wir müssen unsere Abwehrkräfte stärken gegen alles was uns von rechts bedroht. Wir müssen aktiv werden gegen den Übergriff auf offener Straße, gegen Ressentiments in den Köpfen und gegen politische Organisationen und Parteien wie z.B. die AfD.
Warum wir auch die anderen gefährlichen Bedrohungen nicht aus dem Blick verlieren dürfen?
Da unsere Community nicht nur aus wohlhabenden, weißen, schwulen CIS-Männern besteht, ist es wichtig, dass unser Fokus intersektional und solidarisch BLEIBT!
Unsere politischen Forderungen sind so vielfältig wie die gesamte LSBTTIAQ*-Community. Schwule oder lesbische Themen sind für uns nicht losgelöst von Trans*- und Interthemen zu sehen. Queerer Feminismus ist uns ebenso wichtig wie ein starkes Engagement für ein Klima, dass diese Welt als lebenswerten Ort für alle Menschen erhält.
Wir müssen solidarisch sein mit den Menschen die täglich an den europäischen Außengrenzen stranden und sterben. Unsere Community muss den reaktionären und antiemanzipatorischen Kräften in unserer Gesellschaft die Stirn bieten und einen menschlichen Gegenpol darstellen.
Marsha P. Johnson war eine zentrale Figur für unsere Pride-Bewegung. Als POC-Transperson und Dragqueen engagierte sie sich für Sexarbeiter*innen, die HIV-Kampagne ACT UP und viele weitere Themen der LSBTTIAQ*-Community und hat damit auch klar gezeigt, dass unsere Kämpfe intersektional sind.
Wir als CSD Freiburg unterstützen die blacklivesmatter-Bewegung (BLM) und kämpfen gegen Rassismus ebenso wie für die Rechte von LSBTTIAQ*.
Unsere Abwehrkräfte können wir besonders dadurch stärken, indem wir einander wahrnehmen. Wir werden nicht dadurch stark, dass wir uns nur für unsere eigenen persönlichen Belange einsetzen, sondern dadurch, dass wir einander sehen, zuhören und uns auch füreinander einsetzen. Das ist Solidarität.
Lasst uns unsere Abwehrkräfte stärken, jede*r für sich und gemeinsam; für die Rechte und Akzeptanz von LSBTTIAQ* und aller anderen Menschen.
Damit wir überstehen was uns aktuell und in Zukunft bedroht.
Lasst uns dafür kämpfen, dass sich kein Mensch mehr für seine Liebe verstecken muss.
Für die LIEBE
Und einen weiterhin fruchtbaren Diskurs.
Euer CSD Freiburg

Presse
1500 Teilnehmer zeigen Flagge am CSD
Badische Zeitung · 19.09.2020
CSD Freiburg: „Wir haben kein Bock auf ‚Querdenken‘!“
Radio Dreyeckland · 18.09.2020
Freiburger CSD am Samstag mit Maskenpflicht und Abstand
Badische Zeitung · 16.09.2020
CSD Freiburg benennt Motto nach Kritik aus der Szene um
Badische Zeitung · 31.06.2020
„Die Corona-Pandemie trifft Menschen aus der LGBTQ-Szene hart“
Badische Zeitung · 25.06.2020
Rosa Hilfe kritisiert in offenem Brief das diesjährige CSD-Motto
Badische Zeitung · 14.06.2020








