
Die Rosekids feierten im Jahr 2012 ihr 25-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass erschienen im SiF-Magazin die beiden nachstehenden Artikel:
Artikel im SiF-Magazin (Juni/Juli 2012)
Im Jahr 1987 annoncierte Muque, das „Urgestein“ der Rosekids – und Freiburg antwortete. Aus dem kleinen Gelegenheitstreff ist nach einem viertel Jahrhundert eine der größten schwul-lesbischen Jugendgruppen Baden-Württembergs herangewachsen. Es ist Zeit, zurückzuschauen…und sicher auch zu feiern!
Die Geschichte der Rosekids ist wie die einer kleinen Blume. Die Blume wird geknickt und verpflanzt und entwickelt sich trotzdem zu einem kräftigen Rosenstrauch – jedem Winter trotzend und eigenwillig in der Blütezeit.
Wir sind uns sicher einig, dass der Verein schon vieles durchgemacht hat. Er hat sehr viel erreicht, aber auch einiges verbockt! Das sind ungewohnte Worte zu einem Jubiläum – aber Spontanität, Unstetigkeit und Dynamik gehören zu einem Jugendverein wie das Gummi zur Aidshilfe. Die Rosekids sind Meister darin, sich selber neu zu erfinden und scharf den Kurs zu wechseln. Nun haben sie seit längerem stetigen Rückenwind und halten den Kurs.
Ein geeigneter Zeitpunkt – finden wir –, um einmal innezuhalten und zurückzublicken. Denn woher kommt der Verein eigentlich? Und wohin will er?
Ich habe mit Steff und Peter geredet – zwei Rosekids der ersten Stunde – und wollte wissen, wie sie die Rosekids damals erlebt haben.
JONAS: Hallo Steff, Hallo Peter! Da wir ein Jugendverein sind, ist es bei uns ein ständiges Kommen und Gehen. Das ist auch gut so, aber dadurch wissen wir nur wenig über unsere Wurzeln – die uns aber trotzdem interessieren! Und da kommt ihr ins Spiel. Wann seid ihr denn zu den Kids gekommen?
PETER: Das war so um 1991, kurz nach meinem Abitur. Ich hatte damals mein Coming out bei meinem besten Freund, der seinerseits sich mir gegenüber geoutet hat. Und so sind wir gemeinsam in die Jugendberatung in der Engelbergerstraße gegangen, wo damals die Rosekids ihre Räume hatten.
STEFF: Ich bin damals auf die Annonce in der Zypresse aufmerksam geworden – das war 1987.
JONAS: Seid mir nicht böse, wenn ich euch somit auch als „Urgestein“ der Rosekids bezeichne. Was habt ihr euch damals vom Verein erhofft?
STEFF: In den 80ern war das Coming-Out noch eine andere Angelegenheit als heute. Ich habe natürlich gehofft, viele Lesben und Schwule in ähnlichen Situationen, wie ich es war, kennen zu lernen. Aber auch einfach Tipps zu „Wie sage ich es meinen Eltern“…
PETER: Für mich war wichtig, andere Schwule kennen zu lernen und Freunde und vielleicht sogar den Traumprinzen zu finden.
JONAS: Ich glaube, heute sind die Beweggründe gar nicht so anders! Wie habt ihr den Verein zu eurer Zeit denn erlebt?
PETER: Damals gab es die Rosekids ja nicht als Verein im rechtlichen Sinne. Wir waren eine lose Gruppe mit einem harten und sehr bunten Kern. Da trafen Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen aufeinander. Viele waren sehr politisiert, junge Studenten, die alternativ orientiert waren. Andere kamen aus den umliegenden Dörfern Freiburgs wie ich übrigens zu Beginn auch. Für die waren die Mittwochabende eine Pause von dem Druck, dem zumindest ich mich ausgesetzt fühlte. Bei den Rosekids habe ich gelernt, schwul zu leben.
JONAS: Dabei kam es sicher zu vielen schönen, aber auch zu ungemütlichen Momenten, oder?
PETER: Aber sicher! Es war immer sehr lustig zu sehen, wie Neulinge sich in die Jugendberatung schlichen, und wie manche dann im Laufe der Zeit aufblühten, bis sie beim Waldsee im Fummel aufgetreten sind. Aber wir haben auch mit harten Bandagen um attraktive Jungs gekämpft, was Freundschaften auf harte Proben gestellt hat. Außerdem erlebten viele Rosekids eine Umwelt, die viel homophober war als heute – dieses Erleben brachten sie mit in die Gruppe. Manchmal konnte das die Stimmung sehr anheizen, und zwar negativ.
JONAS: War es bei dir anders, Steff?
STEFF: Am Anfang war ich sehr schüchtern! Aber ich blieb tapfer und ging weiter regelmäßig hin. Und nach wenigen Wochen habe ich ein Mädchen kennen gelernt, in das ich mich total verschossen habe. Die Atmosphäre bei den Kids hatte etwas zwischen Politik-Aktionismus und Kaffeeklatsch. Eine gute Mischung, die mich immer wieder hingezogen hat.
JONAS: Und was wurde aus dem Mädchen?
STEFF: Sie wurde meine erste Freundin. Wir haben viele schöne und verrückte Sachen unternommen… darunter auch ein Selbstverteidigungskurs für Frauen…
JONAS: Das kommt mir beides sehr bekannt vor. Ich würde gerne noch weiter mit euch quatschen – aber ich spüre, wie mir der Layouter im Nacken sitzt und die Seiten zählt. Noch eine letzte Frage: Was unterscheidet die Rosekids von heute vom Verein von damals?
STEFF: Ich glaube, dass es gar keinen großen Unterschied gibt. Wir haben viel unternommen und hatten auch viel Kontakt zu anderen Vereinen, jedoch war das noch im analogen Zeitalter. Der Kontakt musste über andere Wege als das Internet gehalten werden.
PETER: Die blauen Seiten oder Smart-Phones waren damals kein Thema. Aber das Gespräch stand schon damals im Mittelpunkt. Und wahrscheinlich sind die Themen heute ganz ähnlich wie damals: Jungs, Jungs, Jungs.
JONAS: Vielen Dank für eure Zeit. Natürlich seid ihr auch herzlich zu unserem Jubiläum eingeladen! Wir bleiben einfach in Kontakt.
Neue Zeiten und alte Themen. Die Rosekids von früher haben zwar nur wenig mit dem Rosekids e.V. von jetzt zu tun, und doch beschäftigen uns immer noch dieselben Probleme. Der Verein bietet heute wie damals die Möglichkeit, sich auszutauschen, Ballast abzuladen und zu lernen, „schwul zu leben“ (natürlich auch lesbisch). Während dieses Angebot im Jahr 1987 noch alternativlos war, konkurriert der Rosekids e.V. heute mit vielfältigen Angeboten im Netz. Und das tut er ziemlich erfolgreich. Ganz nach dem Motto: „Raus aus dem Netz, komm’ zu uns – rein ins wirkliche Leben!” knüpft er analogen Kontakt außerhalb der digitalen Welt und trotzt erfolgreich dem Zahn der Zeit.
Die Rosekids haben 25 Jahre voller Höhenflüge und Talfahrten hinter sich, der Verein hat viele Generationen „Rosenkinder“ erlebt und wird jetzt ein viertel Jahrhundert alt. Das wollen wir – die aktuellen Rosekids – mit euch allen feiern! Deshalb laden wir dich und all deine Freunde ein, zu unserem Jubiläumsfest „ROSEKIDS – 25 Jahre andersrum“. Trefft Rosekids aller Generationen, habt einen schönen Tag und genießt den Sommer! Wir bieten ein kleines Rahmenprogramm, Unterhaltung in entspannter Atmosphäre, Getränke und kleine Snacks. Alle Freunde der Szene und die, die es werden wollen, sind herzlich eingeladen. Schaut für aktuelle Infos auf unserer Homepage vorbei! |
Jonas (Leiter des erweiterten Vorstandes des Rosekids e.V.)
Quelle: SiF-Magazin Juni/Juli 2012
Artikel im SiF-Magazin (August 2012)
Die Rosekids feierten ihr 25jähriges Jubiläum. Der Wetterbericht hatte für Samstag, den 14.07.2012, wechselhaftes Wetter vorhergesagt; teils bewölkt, aber überwiegend sonnig – je nachdem, welche Wetter-App man gerade fragte. Aber von Anfang an: Vor wenigen Monaten begann die Planung, das 25jährige Bestehen der Freiburger schwul-lesbischen Jugendgruppe Rosekids gebührend zu feiern. Schnell war die Entscheidung innerhalb des Vorstandsteams getroffen, ein Sommerfest in Verbindung mit einem „Tag der offenen Tür“ zu feiern und alle Verbände und Sponsoren sowie die Stadt Freiburg dazu herzlich einzuladen: „Rosekids – 25 Jahre andersrum“.
Ein besonderes Anliegen bestand darin, vergangene Streitigkeiten zwischen der Rosa Hilfe und dem Rosekids e.V. zu begraben, und so war es ein Leichtes, das 25jährige Jubiläum der Rosekids von 14:00 bis 20:00 Uhr stattfinden zu lassen und den Tag anschließend auf der Party zum 20. Jubiläum des „SchwuLesDance“ der Rosa Hilfe am Waldsee zu feiern.
Schon einige Wochen zuvor waren Flyer entworfen und nach dem Drucken an alle Verbände inklusive Einladung zu diesem Fest verschickt worden (Dank an Söhnke). In Absprache mit dem Team vom Jugendhilfswerk wurden die angemieteten Räumlichkeiten speziell für diesen Anlass festlich hergerichtet und über und über mit Rosen dekoriert; eine wahre Flut an Fotos, die aus den letzten Jahrzehnten stammen, vervollständigte die Atmosphäre eines Jubiläums. Hilfreiche Unterstützung erhielten der Verein und seine Mitglieder auch von den neuen Nachbarn in der Haslacher Straße 41 – „SchmitzKatze“ – Jan Ehret und sein Geschäftspartner stellten uns den Hof und die Hörbar, ebenso die Technik für ein solches Jubiläum, gern zur Verfügung. Das SiF berichtete schon frühzeitig über dieses Jubiläum (Dank an Dirk und Jonas).
Jonny, unser großer Fels in der Brandung der schwulen Szene, 2009 und 2010 Mitorganisator und Federführer der CSDs in Lörrach, hatte all´ die Einladungen geschrieben, einige Zusagen bekommen und nie aufgegeben, zu dem Fest eine Vielzahl von Gästen einzuladen. Herr Winfried Kretschmann (Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg) und Dr. Dieter Salomon (Oberbürgermeister der Stadt Freiburg) übersandten uns ihre Grußworte. Die Vertreter/innen der Stadt, Simone Pflaum und Walter Krögner, Frau Haardt als Vertretung der Bürgermeisterin Stuchlik, und die Geschäftsführerin des Stadtjugendrings Freiburg, Anja Twilligear, waren am 14.07.12 beim Fest der Rosekids vertreten …und dann gab es da noch die Rosekids selbst, die eine Vielzahl von größeren und kleineren Tätigkeiten erfüllten. Auch wenn im Nachfolgenden einige Helfer namentlich benannt werden, so soll doch jeder wissen, dass wir alle, die zu diesem Projekt beigetragen haben, für den Verein wichtig sind.
Am Freitag, den 13. haben Andi (mit dem Rezept seiner Mutter), Söhnke und Fabian in den Rosekids-Räumlichkeiten fleißig für den Kuchenbasar am nächsten Tag gebacken. Auch unsere Gäste und Mütter der Mitglieder haben zu Hause leckeren Kuchen gebacken. Viele der Jugendlichen haben sich um die Dekoration gekümmert. Da wurden ganze Räume umgeräumt, Kühlschränke von A nach B geschleppt und, und, und. Jonny und Dave waren für die Tombola verantwortlich. Bei all dem „Tumult“ wurde zwischen Tür und Angel noch einiges in letzter Sekunde organisiert, und es wurde inständig an die Freunde gedacht, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an diesem Fest teilnehmen konnten – auf diesem Weg: GANZ LIEBE GRÜSSE. Nico, Patrick und Lukas waren unsere Fahrer, die für den An- und Abtransport verschiedener Dinge verantwortlich waren.
Dann war der große Tag da. Das Wetter … naja, reden wir nicht darüber. Nur so viel sei gesagt, wir verlegten die Feierlichkeiten nach innen, denn abgesehen vom Dammbruch in den Wolken in den frühen Mittagsstunden, herrschte in ganz Freiburg ein steife Brise, die ein Hoffest mehr oder weniger hätte auffliegen lassen können. So wurde jeder Quadratzentimeter unserer Räumlichkeiten für den Besuch unsere Gäste und anderer Vereine genutzt – danke an Doris und Konrad Eisele von BEFAH, an die Vertreter des u-Asta Freiburg, der Aids-Hilfe, der Rosa Hilfe, der Rainbowstars Lörrach und an Fluss e.V. Freiburg. Ebenso einen Dank, wie bereits oben erwähnt, an Frau Haardt, Simone Pflaum, Anja Twilligear und Walter Krögner (links auf dem Bild, rechts daneben Jonny und René).
Alle Anwesenden waren und sind der Meinung, dass der Rosekids e.V. Freiburg eine wichtig Institution für Jugendliche ist, ob homosexuell oder noch auf dem Weg zur sexuellen Selbstfindung. Nun ist es immer schwierig, mit einem Jugendverein Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, gerade weil viele Jugendlich noch ungeoutet sind und damit unsicher in ihren Gefühlen. Aber es ist ein Ziel dieses Vereins, das Selbstbewusstsein einer/eines jeden Einzelnen zu stärken, die Gruppendynamik zu unterstützen und damit die Präsentation nach außen zu fördern, um für Rechte und gegen Unrecht im Großen und Kleinen zu kämpfen. Jede/r ist wichtig und keine/r soll sich ausgeschlossen und allein fühlen. Das kann nur erreicht werden, wenn die verschiedenen Generationen der „Kids“ ihre eigene Mitte finden, sich mit anderen Verbänden und Vereinen verbünden, jeden Neuankömmling in diese Mitte aufnehmen und ihm oder ihr dabei helfen, seinen oder ihren jeweiligen Weg zu finden. Alle Mitglieder des Vereins, ob noch zur Zielgruppe gehörend oder schon aus dieser „herausgewachsen“, können und sollten ihren Beitrag dazu leisten.
Im Laufe des Nachmittags kamen viele Gäste, auch Eltern, deren Kinder Mitglieder im Verein sind, um sich ein Bild darüber zu machen, wo sich der Verein befindet und welche Beziehungen zwischen den einzelnen Mitgliedern untereinander und zu anderen bestehen. Dieser Nachmittag wurde zu einem besonderen Familienfest. Abgerundet durch einen Besuch von Sebastian Reiß, vielen bekannt von der „Schwulen Büchernacht“, die seit den Tagen ihres Bestehens in regelmäßigen Abständen in Freiburg stattfindet. Sebastian bedankte sich für die Unterstützung, die er durch die Rosekids in vergangenen Jahren erfahren hat, und wünschte uns weitere erfolgreiche Jahre. Es war eine angenehme Abendstimmung, bei der sich die Kids mit Sebastian zusammensetzten und er zu lesen begann, während die Sonne langsam unterging und durch den Wind die letzten Gewitterwolken am Himmel in weite Ferne geschoben wurden.
Es gäbe noch viele Momente, über die man berichten könnte, aber das würde den Rahmen sprengen. Stattdessen laden wir EUCH alle ein, uns mal einen Besuch abzustatten oder an einer unserer vielen Aktionen teilzunehmen. Wir freuen uns auf bekannte und neue Gesichter. Eine letzte wichtige Info: Ein Großereignis wirft bereits seine Schatten voraus. Ja, 2014 wird es nach zwölf Jahren wieder einen CSD in Freiburg geben, und die Planungen dazu sind schon im vollen Gange! | philip und rené