Dezember 2012
Sehr geschätzte Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, Mesdames et Messieurs,
Sie schlucken generell die doppelte Anzahl der empfohlenen Tablettenmenge? Visieren ausschließlich Hürden an, die zu hoch hängen? Verlieben sich immer in die schönsten, tollsten, eigentlich unerreichbaren Menschenwesen? Rennen gegen Wände, bis irgendwas nachgibt, und das werden nicht Sie sein? Sie machen immer das Gegenteil von dem, was Ihnen die Vernünftigen raten, schließen generell keine Versicherungen ab und tragen als Altersvorsorge eine Zyankalikapsel um den Hals? Sie reisen ausschließlich in Länder, vor denen das Auswärtige Amt gewarnt hat, und sind der festen Überzeugung, dass Sie jedes Ziel erreichen werden, wenn Sie nur wollen? Sie streicheln giftige Tiere mit den besten Absichten, springen ständig überall runter, um zu sehen, wie man unten ankommt, und wenn jemand ‚nein‘ sagt verstehen Sie ‚versuch‘s doch mal‘? Rennen seit sieben Jahren immer am ersten eines jeden Monats zu unseren berüchtigten und legendären Auslagestellen, um sich um eines der ersten Exemplare des schwulinfreiburg mit anderen Verrückten Interessierten zu kloppen?
Ja dann, Herzlich Willkommen! zur Jubiläumsausgabe (das blaue Auge heilt am besten mit etwas Eis).
„Über sieben Brücken musst du gehen…“ sang schon die Rockband Karat 1978, kluge Burschen, die wussten schon damals, was Sache war. Als ich vor ca. 2555 Tagen die erste Ausgabe schwulinfreiburg layoutet habe, hätte ich, das muss ich zugeben, nicht gedacht, das ich a) solange dabei bleibe, b) damit der Dienstälteste bin und c) mein Chefredakteur mich zur Belohnung verknackt, den Leitartikel zu schreiben (danke, Dora).
Sieben Jahre schwulinfreiburg, das sind 42 Ausgaben, in etwa 840 abgedruckte Bilder, ca. 1680 Seiten, welche layoutet wurden, und in etwa 6.500.000 geschriebene Worte. In dieser Zeit hat die Show 5 Chefredakteure verwurschtelt und dutzende fleißige Schreiberlinge gebraten. Allen an dieser Stelle ein dickes Dankeschön! Ein großes Merci auch an Verena, welche anno dazumal dem schwulinfreiburg das heutige Layout verpasst hat, für ihre unermessliche Geduld, wenn ich mal wieder nicht gewusst habe, mit welchem Icon ich welche Stilvorlage aktiviere. Danke!
Reingerutscht in die Matinee des lustigen Layoutens bin ich eher zufällig und unverhofft. „Du, wir haben da so ein Projekt laufen, willst du dir das nicht mal ansehen, so völlig unverbindlich“? Klar, why not. Und ratzfatz stand mein Name im Impressum. So kann´s gehen, Boys and Girls!
Die ersten Ausgaben haben extrem viel Zeit verschlungen, man probierte sich aus, versuchte dem Heft möglichst einprägsame und individuelle layouttechnische Akzente zu geben und klickte sich oftmals planlos durch InDesign, weil es noch ziemlich neu und, glaubt mir, Version 2 noch immer so buggy war dass, man schon Angst bekam, wenn das Programm länger als 20 Minuten durchhielt, ohne sich ins Nirvana zu verabschieden.
Das Ganze fand statt in den noch alten Räumlichkeiten der Rosa Hilfe in der Eschholzstraße, ein schnuckeliger Raum mit viel Licht, hochwertigem Interieur und das Tollste war, die Toilette befand sich in einem Verschlag nur 2 Meter vom Schreibtisch weg – man konnte also fast weiterhin layouten oder Korrekturlesen während, naja, ihr wisst schon… Nach dem Umzug in die neuen Räume auf dem Grether Gelände gab es von allem zu viel: Licht, Platz, Raum für kreative Entfaltung, … Leude, ich bin fast durchgedreht!
Das Einzige, was Mangelware war und auch bis heute noch ist, sind Schreiberlinge. Das musste Heinrich (der erste Chefredakteur) leidvoll erfahren, als auch Stefan, Jochen, Tilman und aktuell Dirk. Daher war es meist ein Duo, welches dafür gesorgt hat, dass die Daten in time beim Drucker landeten und die neuste Ausgabe so pünktlich wie nur möglich an den Auslagestellen lag.
Da auch die schwulinfreiburg Redaktion der Tatsache des Sprichwortes „das einzig Konstante ist der Wandel“ unterliegt, gab es, wie oben schon kurz erwähnt, innerhalb der Redaktion von Zeit zu Zeit einen Wechsel.
Für den Layouter immer eine spannende Sache. Mit welchem Anspruch, welchen Wünschen, Vorstellungen wird der neue Chefredakteur ankommen?
Worauf wird er den Fokus innerhalb des Heftes legen, welche Themen haben für Ihn Priorität. Mit jedem Wechsel gab es, rückblickend, tatsächlich kleinere Veränderungen, wie ich für mich festgestellt habe. Weniger für mich, sondern was die Kernthemen angeht. Ich werde allerdings den Teufel tun, hier ins Detail zu gehen, das, Jungs und Mädels, könnt ihr selbst: einfach mal in den alten Heften stöbern.
Der größte persönliche Einschnitt für mich kam 2009 – das Jahr, in dem ich mich entschied, Freiburg nach sechs Jahren den Rücken zu kehren und eine berufliche Herausforderung in der wohlschönsten (nördlich gelegenen Stadt) Deutschlands anzunehmen – Moin Moin nach Hamburg.
Ich habe in der Tat mit dem Gedanken gespielt, das Layout abzugeben, da ich anfangs der Meinung war, dass es nicht möglich wäre und auch dem Heft mehr schaden würde, wenn der Layouter so weit weg ist. Doch losreißen konnte und wollte ich mich nicht so einfach, dazu war und bin ich immer noch dem Heft und der Mission zu sehr verbunden. Also einigte ich mich mit dem damaligen Chefredakteur auf einen Zeitraum, um zu testen, ob es möglich ist, dennoch das Heft weiter zu layouten. Wie man unschwer feststellen kann, hat es funktioniert. Ansonsten würde ich wohl nicht in diesem Moment in die Tasten hauen und ihr den Absatz hier nicht lesen.
Nach dem ganzen Rückblick-Blabla sollten wir aber auch noch einen Blick nach vorne werfen. Wo soll´s denn hingehen, bitteschön? Wie soll´s weitergehen? Was will, kann, muss man anders machen?Tja Homies, auf alles habe ich auch nicht eine Antwort. Aber Ideen sind vorhanden.
Auch wir wollen uns vor den neuen Medien nicht verschließen. Wie man unschwer erkennen konnte, hat es uns vor einiger Zeit schon mit einer eigenen Gruppe zu facebook verschlagen. Wer uns dort noch nicht geliked hat, möge das bitte noch nachholen, denn dort, und nur dort gibt es meist schon im Vorfeld eine kleine Info, wann und wieso und wie das neue Heft erscheint, außerdem auch einige Off-Topics oder Stories bzw. Links, die es aufgrund der Aktualität nicht unbedingt in die Print-Ausgabe geschafft haben.
Ein weiteres Projekt, welches momentan in Arbeit ist, beschäftigt sich mit der Tatsache, dass nicht mehr für alle ein Print-Medium das Non plus Ultra ist, aber mehr wird momentan nicht verraten. Da müsst ihr euch bis nächstes Jahr gedulden *ätsch*. Aber keine Angst, das schwulinfreiburg wird es auch weiterhin in gedruckter Form geben!
Somit finden wir uns also heute hier, ihr haltet ganz offiziell und voll realistisch die Jubiläumsausgabe (aka LSD-Trip – alles so schön bunt hier) in der Hand! Ein ganz spezieller Dank für diese VierfarbAusgabe geht an Thomas Klarmann von schwarzaufweiss. Alles, was wir zu Beginn wussten, war, das wir keine Standardausgabe machen wollten.
Daher sind wir auf ihn zugegangen und er ist uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden – das Ergebnis haltet ihr in den Händen.
Einen weiteren Dank möchte auch zudem auch an die Leute richten, die damals, 1991, das ursprüngliche schwulinfreiburg ins Leben gerufen haben. Ohne dieses Engagement wären weder diese Zeilen noch diese Ausgabe entstanden!
Und ganz schnell muss ich auch Daniel noch ein Gracias rüberschmeissen für das Last-Minute Bild im Wohnzimmer – auch wenn das Equipment nicht dem sonstigen Standard entsprach.
Zum Ende bleibt mir nur noch eines zu sagen: Heilung, Hoffnung, Hochgenuss auf die nächsten sieben Jahre!
High‘n‘dry, Euer Dom!
Quelle: SiF-Magazin (12/2012)



