Festwoche zum Jubiläum
Im Oktober 1995 feierte die Rosa Hilfe ihr 10-jähriges Jubiläum mit einem ausgedehnten Programm.
Ein Jubelfest
Aus dem Magazin “Schwul in Freiburg” (Oktober 1995)
Zehn Jahre alt ist sie nun geworden unsere Rosa Hilfe. Und sie begeht diesen runden Geburtstag mit einer Reihe von Veranstaltungen, die zeigen sollen, wie weit sie es in dieser Zeit gebracht hat. Wir werden sicher eine schéne Woche haben, mit den beiden Kunstlerinnen, dem altbekannten Tanz im Waldsee und dem Hohepunkt: Dem Festakt im Historischen Kaufhaus. Dieser Festakt ist ein Beleg für das Ansehen, welches die Rosa Hilfe inzwischen in dieser Stadt genießt, für den Stand des Vereins im politischen, sozialen und kulturellen Leben; und das schmeicheit ihr, der Rosa Hilfe.
In den fetzten Jahren gab es immer wieder Kontakte sowohl mit offiziellen Vertretern der Stadt als auch mit der Polizei. Es wurde und wird teilweise intensive Lobbyarbeit betrieben; die Früchte dieser Arbeit sind offenbar: So wurde z.B. unser Mietzuschuß erhöht und bei der Polizei rennen wir nun bald offene Türen ein. Die Behandlung von Schwulen durch die Polizei ist besser geworden. Bereits seit längerem gibt es im Revier einen Beamten, der Ansprechpartner für schwule Opfer von Straftaten ist. Es ist darüberhinaus nicht unwahrscheinlich, daß die Rosa Hilfe zukünftig bei der Ausbildung von Polizeibeamten mitwirkt. Keine Rede mehr von ‘Rosa Listen’ !?
Die Politik der gegenseitigen Rücksichtnahme und Zusammenarbeit geht so weit, daß die Rosa Hilfe Parkbesucher auffordert, gebrauchte Kondome und Papiertaschentücher in die Mülltonnen und nicht ins Gebüsch zu werfen (so geschehen z.B. in SIF 4/95). Die Rosa Hilfe als Erfüllungsgehilfe des Gartenamtes.
Niemals zuvor war das Angebot der Rosa Hilfe an Beratung, Kultur und Vergnügungsmöglichkeiten größer als heute. Und das mit einer Personaldecke, die nicht dicker ist als vor vier oder fünf Jahren. Dafür bezahlen wir einen hohen Preis. Die Rosa Hilfe ist dabei, sich die patriarchalischen Strukturen unserer Gesellschaft in einem weitaus größeren Umfang zu eigen zu machen, als bisher geschehen; Formalisierung und Institutionalisierung schreiten fort, all dies vorgeblich im Dienste der Effektivitätssteigerung; unselig gepaart mit einer ‘Libertinage des Handelns’ – erlaubt ist was gefällt. Sie reagiert mehr als daß sie agiert. Der basisdemokratische- sowie der Selbsthilfecharakter der Gruppe droht verloren zu gehen.
Ich hatte mir anläßlich des 10jährigen Bestehens der Rosa Hilfe eine ruhigere Festwoche gewünscnt, mit mehr Raum für Besinnung, Rückblick und Ausblick. (Dominik)


